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Alt 18.03.2012, 21:24   #62
mezzn
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Standard Warnung vor EPOXIDHARZ

das hier habe ich in einem anderen Forum gelesen und dachte mir, es wäre sinnvoll es hier zu posten:

"Ich weiß, viele hier nehmen es im Bereich Eigenbau nicht so genau mit der Sicherheit im Umgang mit Epoxidharz und auch ich habe bis vor kurzem noch angenommen, dass das Zeug im wesentlichen nicht so gefährlich ist und dass es sich bei den Dämpfen lediglich um ungefährliche Stoffe handelt. Fehlschluss, kann ich euch versichern. Vllt schreibe ich den Beitrag sogar, weil ich darüber erschrocken bin wie leichtfertig ich das ganze selbst immer gesehen habe.

Welche Wirkungen kann Epoxidharz haben?
Ich weiß, das Fachchinesisch schreckt viele Leute ab, also habe ich im folgenden Text die wichtigsten Dinge markiert. Aber lest euch den Text ruhig vollständig durch und tut einfach so als wären die Chemikalenbezeichungen schöne Namen:


Zitat von Wikipedia

Wirkung

Die Harz-Komponente entsteht ursprünglich aus Bisphenol-Epichlorhydrin, die Haut und Augen reizen, Allergien auslösen können und schädlich für Wasserorganismen sind. Der Gehalt an dem krebserzeugenden Restmonomer Epichlorhydrin in anwendungsfertig formulierten Epoxidharzen liegt nach einer Selbstverpflichtung der Mitglieder der zuständigen Fachverbände "Industrieverband Bauchemie und Holzschutzmittel e.V." (ibh) und "Industrieverband Klebstoffe e.V." (IVK) bei maximal 0,002 %. Die Härter-Komponente enthält giftige und ätzende Stoffe wie z. B. Phenole und Amine und kann ebenfalls Allergien auslösen.
Phenol (auch Karbolsäure, Hydroxybenzol) verursacht auf der Haut chemische Verbrennungen und ist ein Nerven-/Zellgift. Wegen seiner bakteriziden Wirkung wurde es früher als Karbolsäure als Desinfektionsmittel, aber auch in Seifen und Kosmetika eingesetzt, was teilweise heute mit Beschränkungen noch erlaubt ist. Neben der Synthetisierung von Kunstharzen wurde es auch zur Produktion von Drogen sowie als Unkrautvertilger verwendet.
Epichlorhydrin, Diglycidylether und Präpolymere reagieren in Tests zur Mutagenität und Genotoxizität positiv* und stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Bei Einzelstoffbetrachtung gilt dies nur bei hoher Dauerbelastung, welche Wirkpotentiale in einer komplexen Kombinations-Exposition zum Tragen kommen, ist jedoch nicht bekannt. Nach einer unterschiedlich langen Sensibilisierungsphase treten nicht therapierbare, allergische Kontakt-Ekzeme auf.
Beim Einatmen der Dämpfe können folgende Symptome auftreten: Schleimhautreizungen, Atemlähmung, Delirien und Herzstillstand. Eine chronische Exposition über die Atemluft kann zu Nervenstörungen und Nierenschädigung führen.
Der direkte Hautkontakt ist als weitaus schädlicher anzusehen, als eine Aufnahme über die Atemwege (durch z. B. ungenügende Belüftung).

Schutz

Zum Hautschutz eignen sich ausschließlich spezielle Nitril- oder Butyl- Handschuhe. Ungeeignet sind dünne Einweg-Handschuhe unabhängig vom Material (zum Beispiel Latex, Vinyl oder Nitril). Die allergenen Stoffe durchdringen diese Handschuhe auch ohne Beschädigung innerhalb weniger Minuten, während der Eigenschutz der Haut durch Schwitzen bei fehlender Belüftung geschwächt wird. Hautschutzsalben bieten ebenfalls keinen akzeptablen Schutz. Unter Umständen kann zusätzlich das Tragen eines Schutzanzugs notwendig sein. Aussagen von Epoxidharzherstellern, dass eine Dermatose meist nicht über eine harmlose Hautreizung hinausgehe und eine Anpassung (Desensibilisierung) der Haut eintrete ist mit äußerster Vorsicht zu begegnen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Epoxidharz

(* kleiner vereinfachter Exkurs zur Mutagenität und Genotoxizität: Jede Zelle beinhaltet das Erbgut in Form von DNA, die auch der Zelle die jeweilige Funktion zuweist. Wird das Erbgut verändert kann es passieren dass die Zelle nichts mehr macht außer sich zu Teilen, so dass ein Verband sinnloser Zellen heranwächst, der dabei auch Organe zerstören kann. Dies bezeichnet man als Tumor.)

Was ist zu tun? Jeder Chemikalie werden, sobald das nötig ist, R-und S-Sätze (Risiko und Sicherheit) zugewiesen. Hierbei handelt es sich um Nummern, die dann bestimmten Warnhinweisen zuzuordnen sind. Wenn ihr also auf euren packungen nur Rxx und Sxx seht: hier findet ihr die dazu gehörigen Warnhinweise: http://de.wikipedia.org/wiki/R-_und_S-S%C3%A4tze .
Solltet ihr Epoxidharz erwerben, der nicht mit R-und S-Sätzen versehen ist, ist das schon sehr fragwürdig und spricht sehr gegen den Hersteller. Darüber hinaus muss der Hersteller oder Vertreiber kostenlos sogenannte Sicherheitsdatenblätter bereit stellen. Wenn ihr Epoxidharze kauft, besteht unbedingt auf diese Datenblätter. Hier werden a) alle R-und S-Sätze mit Text aufgeführt und (b stehen hier noch wichtige weitere Hinweise.

Der Robin hat mir mal den Internetshop r-g.de empfohlen und ich habe mich mal ein wenig umgesehen und kann den Shop eigentlich nur empfehlen. Ich will hier keine Werbung machen, diese Punkte treffen vllt auch auf andere Shops zu.
a) geben sie direkt auf der Startseite in einer Pressemitteilung bekannt, dass sie keine Stoffe vertreiben die als giftig eingestuft werden: http://r-g.de/presse_gefahrstoffe.html
b)erhaltet ihr hier die wichtigen Nitrilhandschuhe
c)ihr erhaltet schon auf der jeweiligen Produktseite die Möglichkeit die Sicherheitsdatenblätter einzusehen und könnt hier schon eine Menge Infos erhalten

Klar verleitet diese Auflistung dazu das ganze nur mal so zu überfliegen, aber lest es euch ruhig einmal richtig durch:
zB:

Zitat von Sicherheitsdatenblatt eines Harzes
R-Sätze
36 Reizt die Augen.
38 Reizt die Haut.
43 Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich.
51 Giftig für Wasserorganismen.
53 Kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.
S-Sätze
24 Berührung mit der Haut vermeiden.
28 Bei Berührung mit der Haut sofort mit viel Wasser und Seife abwaschen.
37 Geeignete Schutzhandschuhe tragen.
39 Schutzbrille/Gesichtsschutz tragen.
60 Dieser Stoff und/oder sein Behälter sind als gefährlicher Abfall zu entsorgen.
61 Freisetzung in die Umwelt vermeiden. Besondere Anweisungen einholen / Sicherheitsdatenblatt
zu Rate ziehen.
Zitat von Sicherheitsdatenblatt des passenden Härters
R-Sätze
20 Gesundheitsschädlich beim Einatmen.
20/22 Gesundheitsschädlich beim Einatmen und Verschlucken.
21 Gesundheitsschädlich bei Berührung mit der Haut.
21/22 Gesundheitsschädlich bei Berührung mit der Haut und beim Verschlucken.
22 Gesundheitsschädlich beim Verschlucken.
34 Verursacht Verätzungen.
35 Verursacht schwere Verätzungen.
43 Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich.
50 Sehr giftig für Wasserorganismen.
51 Giftig für Wasserorganismen.
52 Schädlich für Wasserorganismen.
53 Kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.
62 Kann möglicherweise die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.*²
63 Kann das Kind im Mutterleib möglicherweise schädigen.
S-Sätze
26 Bei Berührung mit den Augen sofort gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren.
36 Bei der Arbeit geeignete Schutzkleidung tragen.
37 Geeignete Schutzhandschuhe tragen.
39 Schutzbrille/Gesichtsschutz tragen.
45 Bei Unfall oder Unwohlsein sofort Arzt zuziehen (wenn möglich, dieses Etikett vorzeigen).
60 Dieser Stoff und/oder sein Behälter sind als gefährlicher Abfall zu entsorgen.
61 Freisetzung in die Umwelt vermeiden. Besondere Anweisungen einholen / Sicherheitsdatenblatt zu Rate ziehen.
Ihr seht also, dass diese Hinweise nicht in einer unverständlicher Fachsprache gefasst sind und so auch von Hans Wurst verstanden werden können.

Also zusammengefasst:
-Zuerstemal die R-und S-Sätze durchlesen. Die sind nicht bei allen Harzen gleich. Die speziellen Hinweise beachten.
-Unbedingt geeignete Schutzhandschuhe tragen!
-Sich nicht während der Arbeite im Gesicht oder sonst wo kratzen oder die Haare aus dem Gesicht wischen (Zopfband tragen oder sonstwas)
-Nicht während der Arbeit Essen oder Trinken!
-Schutzbrille tragen! (wird immer unterschätzt, dabei sind Augen doch so geil, aber auch so schnell im Arsch und dann auch gleich für immer. Überlegt mal, was passiert wenn euch ein Stift oder etwas ähnliches in den Topf mit Harz fällt und ihr bekommt einen Spritzer ins Auge.)
-Gut belüftet arbeiten, am besten auf einer Terrasse oder ähnliches.
-Wenn nicht gut belüftet, evtl Atemschutzmaske tragen. Dann aber nicht so ein 1€ Ding. Eines mit Filter, der gegen organische Dämpfe und Gase schützt. Besser einer der zusätzlich gegen Ammoniak und dessen Derivate schützt.
-Das Brett dann nicht zum trocknen/härten in der Wohnung lagern. Ein Schuppen, eine (überdachte) Terrasse, ein Balkon oder ein gut belüfteter Keller wäre besser.
-Nach der Arbeit GRÜNDLICH die Hände waschen.

Ich will niemanden abschrecken, sondern nur dazu anregen Arbeitskleidung zu tragen. Ich renne selbst häufig im Labor rum und habe auch schon meinen Schein in Toxikologie (wobei das zugegeben nicht so die Leistung war , aber man lernt dort das gute alte "Wissen wo es steht") und weiß dass das wichtig ist. Ich hoffe ich konnte helfen bzw. Aufklärung leisten und habe mich nicht wie Mama aufgeführt.
Ich will lieber beim Fahren sterben als beim Kleben. Besser aber gar nicht. Nie.

Ich wusste nicht ob das unter "Eigenbau" oder unter "Safety" besser Aufgehoben ist. Sonst einfach verschieben.
Sollte ich mich in einen Punkt geirrt haben, bitte ich um Korrektur."
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